Leben ist wie Scherben essen

und sich wundern,

dass man Blut spuckt.

(Dirk Bernemann)

Mittwoch, 26. Juli 2017

Erwartungs-Overkill

Man sieht immer nur das Bild, das man sich von jemandem macht; ganz gleich, ob berechtigt oder nicht, so ist es doch nur dieses Bild, in das wir uns verlieben, das wir verehren, vergöttern, und irgendwann -zu gegebener Zeit- wahrscheinlich verachten. 

Wir schaffen es nicht, von diesem Bild abzulassen, ganz gleich, was geschieht. Wir haben uns unser ureigenes Monster geschaffen, denn niemand kann unserem Bild in der Wirklichkeit standhalten. Wie im Wahn: Dieses Bild, unser Bild, ist unser Abgott. Wenn der Mensch hinter dem Bild von unserem für ihn erdachten Muster abweicht, so wollen wir es ganz einfach nicht wissen, also schließen wir die Augen und ignorieren es.

Mit Negativ-Bildern geht es ähnlich.

Die Erwartungen, die wir an Menschen und Beziehungen knüpfen, sind oftmals nichts anderes als Vorurteile. Wenn wir erwarten, dass der Andere uns verletzt, wird er es mit einiger Wahrscheinlichkeit beizeiten tun. Nicht, weil es vorherbestimmt wäre; nicht, weil er es wollte; sondern, weil er dazu getrieben wurde. Er spürte die Angst, die teilweise Verachtung, den Argwohn. Er fühlte sich in die Enge getrieben, seine Gefühle ebenso; und er sah keinen anderen Ausweg, nur den einen, der verletzt, dem Menschen weh tut, den er einst zu lieben glaubte - obschon es bei näherer Betrachtung nicht mehr derselbe Mensch zu sein scheint.

Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Liebe dem standhalten kann.

Sobald man den Wunsch, den Gedanken, oder was-auch-immer hat, dem anderen weh zu tun - und sei dieses Gefühl noch so klein - beginnen das Ende der Liebe -langsam, schleichend, und der Anfang der Verachtung -lautlos, unbemerkt.

Und ganz egal, für welchen Schritt man sich nun entscheidet: Es wird der falsche sein! An diesem Punkt kannst du nichts Richtiges mehr tun.

(2009)


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