Leben ist wie Scherben essen

und sich wundern,

dass man Blut spuckt.

(Dirk Bernemann)

Donnerstag, 27. Juli 2017

Wir leb(t)en eine seltsame Illusion

Was haben wir nicht gekämpft.
Für den inneren Seelenfrieden.
Für das Ausbleiben der Angst.
Für das Wegfallen der Leere, die in uns allgegenwärtig war & uns dazu brachte, die Zukunft nur hinter einem Grauschleier zu sehen.
Zukunft, du elendige Grauzone.

Wir sind es unterschiedlich angegangen. Gemeinsam war uns nur das Eine: Wir sind immer zu weit gegangen - in die eine, wie in die andere Richtung. Vollumfänglich ins Verderben.

Und immer mal wieder schien es, als wäre der nächste gleichzeitig auch der letzte Schritt.
>Der unerlässlich letzte Schritt, bleibst du stehen oder kommst du mit?<

Wir sind gegen Mauern gerannt, haben gegen Windmühlen gekämpft und dem Wahnsinn die Tür geöffnet. In den Atempausen haben wir uns so verzweifelt aneinandergeklammert, als könnten wir uns gegenseitig retten, so als wäre da noch etwas zu retten.
Doch retten niemals. Nicht mal beschützen.

Wir haben uns nahezu selbst zerstört. Jeder hat eine andere Art, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen:
Drogen, Exzess, Kunst, übertriebene Lebendigkeit, selbstzerstörerischer Wahn, unnachgiebiges Denken...
Und ich? Hab immer wieder mal in jeglicher Hinsicht übertrieben: zu viel Arbeit, zu viel Stress, dann aber auch zu wenig von beidem, zu viel Genuss, zu viel Feiern, zu viel Leben, dann aber wieder zu viel Pause.

Wir konnten ja gar nicht klarkommen.
Zu wenig Glaube an das Gute, zu wenig Hoffnung, zu viel Grau.
Zu realistisch-pessimistisch.
Zu aggressiv.
Zu überwältigt vom Leben.

Doch gerade sitze ich nur da, lächel und erinnere mich daran zurück.
Gerade bin ich glücklich.
Weil er es ist.
Weil ich es bin.

(2012)

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