Leben ist wie Scherben essen

und sich wundern,

dass man Blut spuckt.

(Dirk Bernemann)

Donnerstag, 27. Juli 2017

Krankes Kind, die Hölle ist da, wo ich bin

Wir schaffen uns unsere ureigene Hölle, indem wir an dem festhalten, was wir uns selbst seit Jahren einprügeln.
Es vergeht der Tag, es kommt die Nacht und mit ihr die unglaublichsten Gedankengänge...
Wir feiern. Wir tanzen. Wir sind happy.

Doch dann...die Musik!!! Die Beste und ich gucken uns nur an, schütteln den Kopf, resignieren und versuchen möglichst cool zur Bar zu gelangen. Nur nicht anmerken lassen, wie sehr uns diese Musik zurückwirft (um einige Jahre nämlich), uns erschüttert. Wie sehr wir sie noch lieben. Wie viele Erinnerungen wir damit verknüpft haben.
Es gab da mal dieses Mixtape, auf diesem Mixtape war der Song No.1, und alles, was dieses Mixtape aussagte, war bedeutend tief. Wir haben es jahrelang fast auschließlich gehört und anschließend in einer rituellen Opferung in viele kleine Splitter zerschlagen. Die Splitter schmerzen noch immer.

Nun vollkommen unerwartet dieses Sample zu hören, ist so schmerzhaft, dass wir am liebsten umgehend verschwinden würden. Weil wir nicht darauf vorbereitet waren, können wir die Gedanken nicht bremsen.
Während die Musik spielt, kippen wir Tequila und nippen während der Wartezeiten an 43er mit Milch, weil die Milch uns ein Gefühl von gesundheitsbewusster Ernährung vermittelt: Hey, wir leben gesund - so schlimm kann es gar nicht sein!

Der Mix des Samples ist neu - und er ist gut.
Wir waren gewarnt. Wir wussten, dass es viele neue Remixe geben würde. Der Song ist nun mal oberste Liga, einer der besten Songs ever.
Und nur weil wir so dämlich waren, damit Erinnerungen an etwas zu verknüpfen, was für uns mal Hoffnung war, kann man den Song nicht hassen. Von der musikalischen Seite gesehen, ist und bleibt er einer unserer absoluten Lieblingsstücke. Von der gefühlsmäßigen Seite betrachtet, gibt er uns immer noch ein gutes Gefühl, das Einzige, was stört, sind die Erinnerungen...
Vielleicht werden wir einfach die alten Erinnerungen durch neue Schönere relativieren und alles wird gut.

Niemand weiß um die Bedeutung, die der Song für uns hat. Nur wir beide.
Darum sitzen wir jetzt hier, fassungslos, und wollen das Vergangene zurück. Das kommt doch wohl vom Alkohol! Schließlich haben wir es selbst beendet. Und jetzt wollen wir es zurück?! Und warum? Weil wir manchmal noch daran glauben.
Scenes from an obesessive, crazy life.
Wenn man sein Leben lang nur solche Episoden erlebt/überlebt hat, wird man wohl so... Verrückt. Merkwürdig. Katastrophal.
So sitzen wir da und reden.
Doch dann, der Song ist vorbei. Zu "memories" stehen wir auf, gehen wieder tanzen und...sind happy.
Vergessen geht schnell in unserer Welt.

(2011)

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