Leben ist wie Scherben essen

und sich wundern,

dass man Blut spuckt.

(Dirk Bernemann)

Mittwoch, 26. Juli 2017

Das Einzige, was mir noch hilft, wenn nichts mehr geht...ist Musik

Manchmal ist es das Größte, morgens um halb vier durch die Straßen zu laufen. Musik auf den Ohren und Red Bull in der Hand. Allein. Kopfhörer auf, Musik an, Welt aus.

"Thinkin that only the dead are forever young"
So ist es auch mit gestorbenen Lieben, denke ich.
Und ich werde bei diesem Song immer zwei Dinge vor Augen haben: Pete Dunham, wie er am Boden liegt und totgetreten wird; und meine Beerdigung. Es gibt viele Songs, die ich auf meiner Beerdigung hören will, nur: Ich werde sie dann nicht mehr hören können, und die Leute, die sie dann noch hören können, werden die Bedeutung nicht verstehen. Welche Verschwendung!

"The shorter story, no love, no glory, no hero in her sky. I can't take my mind off of you"
Nur ich, die leere Straße, die Musik, das Red Bull, die gefühlte fünfzigste Zigarette und die Erinnerung an das eine Ende. Nervenzusammenbruch. Tränen. Krise. Und nach 3 Tagen Neben-mir-stehen, nicht-ich-selbst-sein: Nichts mehr. Nothing. Irgendwie abartig, wie schnell meine Gefühle verfliegen.

"I just hide behind the tears of a clown"
Genau, denke ich. Einfach weitergehen. Den Kopf frei kriegen. Hut tiefer ins Gesicht ziehen, damit niemand die Tränen sieht. Ich hasse es, zu heulen, noch mehr hasse ich nur die Menschen, die versuchen, zu trösten. Ich war nie ein Kind, das schrie und brüllte, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich will einfach nur mit der Trauer allein sein.

"I just want to be there when we're caught in the rain"
Das macht es schlimmer, doch die Stimme macht es erträglich. Die Stimme ist der Wahnsinn. Wenn er von Liebe singt, denkt man unweigerlich an Sex. Das macht den Song glaubwürdig.

Musik ist etwas, das mich mit den wichtigen Personen verbunden hat & es noch heute irgendwie tut.
Alle wesentlichen Menschen hatten Musik in meiner Story. Ich bin wohl überhaupt nicht in der Lage, das ganze ohne Musik zu empfinden, zu erleben, zu überleben. 
Es gab unzählige Songs, die ich mit besonderen Menschen gemeinsam gehört, gefeiert, geliebt habe.
Haben wir die Bedeutungen gleich erfasst? Warum hab ich nie etwas begriffen? Haben wir uns durch die Musik definiert?
Hätte es bei irgendwem etwas geändert, wenn wir Klartext gesprochen hätten, statt uns Songs um die Ohren zu hauen? 

Einige der Geschichten können mit Musik geschrieben werden.

"This music will never be the same without you."

(2009)

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